Hochsensibel auf Jobsuche - Frau mit Fernglas in Hügellandschaft
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Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie „Hochsensibel auf Jobsuche“. Hier geht’s zu Teil 1 Vision und Ziel – Wie du mehr Klarheit bekommst, wo du hinwillst.

Rückschau „Hochsensibel auf Jobsuche Teil 1“:

In Teil 1 haben wir ein Vision Board erstellt, entweder eines für alle Lebensbereiche, die dir in den Sinn kamen, oder zwei:

  • Ein Vision Board für alle Lebensbereiche
  • Ein separates Job Vision Board mit allen Wünschen für deine berufliche Situation

Außerdem haben wir den ersten Wurf eines Ziels für deinen nächsten beruflichen Schritt formuliert.

Ziel für „Hochsensibel auf Jobsuche Teil 2“:

In Teil 2 arbeiten wir deine Bedürfnisse an dein Arbeitsumfeld genauer heraus. Du kannst damit dein Ziel nochmals verfeinern, anpassen, korrigieren. Konkret geht es um:

  • Was dich von innen heraus motiviert (deine intrinsischen Motivationsquellen)
  • Was deine wichtigsten Werte sind
  • Welche Rahmenbedingungen du sonst noch brauchst (aufgrund deiner familiären Situation z. B.)

Hochsensible Menschen: in vielen Berufsfeldern erfolgreich

Hochsensible Menschen können durch ihre Fähigkeit, viele Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, viele Berufsfelder sehr gut ausfüllen. Kommt noch eine Vielbegabung hinzu, d. h. Interessen und Fähigkeiten auf verschiedenen Gebieten, ist die Multi-Einsatzfähigkeit noch ausgeprägter. Das birgt Chancen und führt zugegebenermaßen auch zu Entscheidungsschwierigkeiten.

Laut Elaine N. Aron, Psychologin und Pionierin auf dem Gebiet der Hochsensibilität, sind hochsensible Menschen oft in beratenden Tätigkeiten (im weitesten Sinne) anzutreffen. Das muss nicht bedeuten, dass alle Hochsensiblen Therapeuten, Lehrer, Berater oder Richter sein müssen, sondern bezieht sich mehr darauf, auf welche Weise wir unsere gewählten Berufe ausüben.

Meine Erfahrung

Als vielbegabte Hochsensible habe ich viele verschiedene Jobs und Aufgaben ausprobiert und konnte mich überall schnell einarbeiten. Innerhalb dieser Berufe habe ich allerdings immer meine mir als natürlich erscheinende beratende Rolle eingenommen: Ich habe mir oft schnell einen Überblick über die Situation und Abläufe gemacht und Ideen für Verbesserungen eingebracht. Besonders die Situation in Teams habe ich schnell erfasst und habe mir Gedanken gemacht, was man tun könnte, damit sich Team und Organisation weiterentwickeln können. Das stieß zugegebenermaßen nicht immer auf Anklang ;-). Aber ich bin mir treu geblieben und habe meine Vorschläge (respektvoll) eingebracht.

Wichtig für dich

Unsere Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten, lässt uns in vielen Bereichen schnell Fuß fassen. Wenn du etwas Anderes tun willst, als du es bisher tust, habe Mut, das erstmal gedanklich zuzulassen und dann auch auszuprobieren. Möglichkeiten, mit etwas weniger Risiko in neue Bereiche zu schnuppern sind z. B. 450-Euro-Jobs, nebenberufliche Tätigkeiten, Praktika, oder auch ein Ehrenamt.

Arbeitsumfeld vor Stellenbezeichnung

Vielleicht hast du auch schon die Erfahrung machen dürfen, dass dich schlechte Stimmung unter den Kolleg|innen, Lärm im Büro, ein Arbeitsplatz, an dem du dich nicht wohlfühlst… stark beeinträchtigt. Vielleicht hast du auch mal die andere Seite kennengelernt und eine Umgebung hat dich regelrecht aufatmen lassen: Du hast dich wohl gefühlt, hattest Freiraum bei der Erledigung deiner Aufgaben, Möglichkeiten für Rückzug, flexibles Homeoffice usw.

Meine Erfahrung

Ich hatte schon verschiedene Stellenbezeichnungen und konnte mich in den Unternehmenskulturen und Umfeldern am besten entfalten, in denen die Bedingungen für mich passten. Klar wollte mein Ego auch gerne eine schicke Stellenbezeichnung ;-). Allerdings hatte ich in einem Konzern mit einer schicken Stellenbezeichnung und einem für mich schädlichen Umfeld ziemlich schnell verstanden, dass der Jobtitel mir keine tiefe Erfüllung bringt am Ende des Tages.

Wichtig für dich

Konzentriere dich bei deiner Jobsuche mehr auf passende Umfelder, als auf Stellenausschreibungen, die genau deine Stellenbezeichnung enthalten. Trau‘ dich, dich bei Organisationen und Unternehmen initiativ zu bewerben oder einfach telefonisch anzufragen, ob sie gerade Bedarf für dein fachliches Profil haben. Die konkrete Ausgestaltung deiner Stelle kann sich auch noch im weiteren Verlauf ergeben und muss nicht genauso ausgeschrieben sein.

Was motiviert dich von innen heraus?

Viele hochsensible Menschen haben als Motivation weniger das Streben nach Status, Ansehen oder nach dem höchsten Gehalt. Eine sinnstiftende Arbeit, Harmonie im Team, Freiraum bei der Erledigung der Aufgaben, flexible Arbeitszeiten, Möglichkeiten für Rückzug und für den Umgang mit Reizen von außen nehmen oft einen höheren Stellenwert ein. Das soll nicht bedeuten, dass Geld keine Rolle spielt! Eine angemessene Entlohnung ist wichtig, denn du gibst auch etwas dafür: deine wertvolle Energie und Zeit. Dennoch hilft es, sich der intrinsischen, das heißt der inneren Motivationsquellen bewusst zu sein und nach Rahmenbedingungen zu suchen, in denen diese gelebt werden können.

Folgende intrinsische Motivationsquellen gibt es z. B. nach Management 3.0, einer Sammlung von Praktiken, Methoden und Tools für Führung von Jurgen Appelo:

  • Anerkennung: Menschen schätzen das, was du bist und tust.
  • Wissbegierde: Du möchtest viele Dinge untersuchen und ausprobieren.
  • Freiheit: Du bist in deiner Arbeit und in deinem Verantwortungsbereich gerne unabhängig von anderen.
  • Status: Du hast eine gute und von anderen anerkannte Position.
  • Sinnerfüllung: Dein Lebenssinn spiegelt sich in deiner Arbeit wider.
  • Ehre: Du bist stolz darauf, dass deine persönlichen Werte sich in deiner Arbeitsweise wiederfinden.
  • Perfektionierung: Deine Arbeit fordert deine Kompetenzen, überfordert deine Fähigkeiten allerdings nicht.
  • Ordnung: Es gibt ausreichend Regeln und Vereinbarungen für eine stabile Umgebung.
  • Einfluss: Es gibt ausreichend Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen auf das, was um dich herum passiert.
  • Verbundenheit: Du hast gute soziale Kontakte zu den Menschen in deinem Umfeld.

Meine Erfahrung

Mir hat es geholfen, mir über die Top 3 meiner intrinsischen Motivationsquellen klar zu werden. Das ist natürlich eine Momentaufnahme und kann sich auch weiterentwickeln. Auch in Situationen im beruflichen Alltag hat mir diese Reflexion weitergeholfen.

Wichtig für dich

Lass‘ die Motivationsquellen einfach mal auf dich wirken. Welche sprechen dich am meisten an? Welche rufen vielleicht sogar Abneigung hervor? Mehr Klarheit über deine intrinsischen Motivationsquellen kann dich unterstützen bei der Auswahl eines passenden Unternehmens oder auch Bereichs im Unternehmen.

Was sind deine wichtigsten Werte?

Wenn du, gerade als hochsensibler Mensch, jeden Tag gegen deine wichtigsten Werte handeln musst, wird dir das auf Dauer nicht gut tun. In einem Unternehmen, das mit seinem Handeln gegen deine Werte verstößt, wirst du vermutlich nur sehr ungern arbeiten. Schlimmstenfalls wird deine Gesundheit angegriffen, wenn deine tägliche Arbeit gegen das geht, was du in deinem Innersten als stimmig, gerecht und richtig empfindest.

Auf die Schnelle: Werte mit Online-Test bestimmen

Hier findest du z. B. einen einfachen und hilfreichen wie ich finde, Online-Test, um deine Werte zu ermitteln. Im ersten Schritten wählst du zwölf Werte aus. Im zweiten Schritt werden jeweils zwei deiner Werte einander gegenüber gestellt, sodass du entscheiden musst, welchem du mehr Bedeutung beimisst. Als Ergebnis erhältst du deine drei wichtigsten Werte.

Etwas mehr Zeit? Werte selbst ermitteln

Nimm‘ dir für das Herausarbeiten deiner Werte eine Liste mit möglichen Werten zur Hand. Mögliche Listen mit Werten findest du über eine Internetsuche nach „Werte Liste“. Gehe dann so vor:

  1. Sieh‘ die Liste mit den Werten durch und markiere spontan alle Werte, die dich ansprechen.
  2. Reduziere diese Liste auf fünf bis maximal zehn Werte. Nimm‘ dir die Zeit, die du brauchst und spüre vor Allem gut in dich hinein dabei. Es muss sich gut anfühlen, wenn du an den jeweiligen Wert denkst.
  3. Überlege dir zu diesen fünf bis maximal zehn Werten Situationen, in denen du nach diesen Werten konkret gehandelt hast.
  4. Reduziere nun diese Liste auf deine top drei bis fünf Werte, die du an konkreten Situationen festmachen kannst und vor Allem: die sich für dich gut und stimmig anfühlen.

Meine Erfahrung

Ich habe meine Werte auf einem Papier neben meinem Arbeitsbereich hängen. Meine Werte haben sich auch mal geändert, als ich in einer Situation merkte, dass da etwas nicht passt. Ich habe sie sogar mehrmals überdacht, immer ein wenig angenähert an mich und an das, was sich für mich stimmig anfühlt.

Wichtig für dich

Setze dich nicht unter Druck. Entscheide dich für die Werte, die dich am meisten ansprechen. Das darf sich auch mal ändern. Du kannst dich z. B. auf der Website von Unternehmen umsehen, für welche Werte sie stehen und was sie über ihre Werte kommunizieren. Vieles lässt sich auch zwischen den Zeilen lesen, die Antennen dafür haben wir als hochsensible Menschen. Wir müssen nur darauf vertrauen.

Welche Rahmenbedingungen brauchst du jetzt?

Du kennst jetzt besser deine inneren Motivationsquellen und deine Werte. Damit kannst du besser Unternehmen, Organisationen und Umfelder erkennen, die dazu passen. Wichtig ist auch, welche Rahmenbedingungen du jetzt in deinem Leben brauchst.

Das kannst du ganz einfach in einem Brainstorming herausfinden. Mach‘ dir eine Liste, was du momentan ebenfalls in deinem Leben für einen neuen beruflichen Schritt berücksichtigen möchtest:

  • Deine familiäre Situation
  • Dein Anfahrtsweg
  • Deine finanzielle Situation
  • Homeoffice-Möglichkeiten, flexible Arbeitszeiten
  • Altersvorsorge
  • … weitere Rahmenbedingungen

Fazit „Hochsensibel auf Jobsuche Teil 2“

Du hast jetzt mehr Klarheit darüber, was dich von innen heraus motiviert, über deine Werte und die Rahmenbedingungen, die du bei deiner Jobsuche berücksichtigen darfst. Konzentriere dich auf die Suche nach einem Unternehmen, einer Organisation, einem Umfeld, das zu dir und deinen Bedürfnissen passt. Versteife dich nicht zu sehr auf eine Stellenbezeichnung.

Mit diesem Wissen kannst du nun nochmal dein Ziel prüfen: Passt es zu den herausgearbeiteten Motivationsquellen, Werten und Rahmenbedingungen? Kannst du es konkretisieren, musst du es korrigieren?

Mein Ziel lautete z. B. „Ich bin tätig in einem Job im Bereich Text in Teilzeit in einem modernen, kleinen Unternehmen mit nettem Team und angemessener Bezahlung bis zum 1. Juli 2020“. (Okay, der neue Job kam dann zum 1. August 2020, hat trotzdem gepasst ;-).

Hochsensibel auf Jobsuche: Wie geht es weiter?

In Teil 3 werfen wir einen Blick auf:

  • deine mentalen Barrieren (Ängste, Blockaden)
  • das, was dir Rückenwind gibt, was dich stärkt

Damit dir klarer ist, was dich auf deinem Weg vorwärtsbringt und was dich zurückhält. So lernst du mehr über deine Kraft und deine „Gegner“. In diesen vermeintlichen Gegenspielern liegt sehr viel Kraft für dein Wachstum.

Konntest du etwas mehr Klarheit darüber gewinnen, welches Umfeld zu dir passen könnte? Teile gerne deine Meinung in den Kommentaren!

Weiterführende Links „Hochsensibel auf Jobsuche Teil 2“

Liebe Grüße
Constanze