Hochsensibel auf Jobsuche - Frau mit Fernglas in Hügellandschaft
Foto: Pawel Janiak auf Unsplash

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie „Hochsensibel auf Jobsuche“.

Hier geht’s zu Teil 1 Vision und Ziel – Wie du mehr Klarheit bekommst, wo du hinwillst.

Hier geht’s zu Teil 2 Ein passendes Arbeitsumfeld ist wichtiger als deine Stellenbezeichnung und wie du es definierst

Hier geht’s zu Teil 3 Was bringt dich vorwärts, was hält dich zurück? Kenne deine mentalen Verbündeten und Gegenspieler.

Hier geht’s zu Teil 4 Fünf Tipps für deine Bewerbung

Rückschau „Hochsensibel auf Jobsuche Teil 1, 2, 3 und 4“:

In Teil 1 haben wir ein Vision Board erstellt: Entweder eines für alle Lebensbereiche, die dir in den Sinn kamen, oder ein weiteres zu deinen Wünschen für deine berufliche Situation. Wir haben einen ersten Wurf für dein Ziel, deinen nächsten beruflichen Schritt formuliert.

In Teil 2 haben wir das formulierte Ziel verfeinert mit mehr Klarheit über:

  • das, was dich motiviert (deine inneren Motivationsquellen)
  • deine wichtigsten Werte
  • weitere Rahmenbedingungen, die für deine berufliche Situation aktuell relevant sind

In Teil 3 haben wir an mehr Klarheit über deine mentalen Stärken und Barrieren gearbeitet: Was dich vorwärts bringt und was dich zurückhält.

In Teil 4 haben wir uns fünf konkrete Tipps für deine Bewerbung angesehen.

Ziel für „Hochsensibel auf Jobsuche Teil 5“:

In Teil 5 erwarten dich Impulse für dein Bewerbungsgespräch. Damit du als feinfühliger, vielleicht auch ruhigerer Mensch diese Eintrittskarte in deinen neuen Job entspannt meistern kannst.

Gelassener ins Gespräch mit guter Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung inklusive Recherche zur ausgeschriebenen Position, zu deinen Gesprächspartnern und zum grundsätzlichen Ablauf eines Bewerbungsgesprächs kann die Nervosität im Vorfeld ein wenig mildern.

Antworten auf einige der häufigsten Fragen parat zu haben, hilft ebenfalls. Gängige Fragen und ein paar beispielhafte Antworten findest du z. B. hier. Den Ablauf des Bewerbungsgesprächs mit einem guten Freund oder einer guten Freundin durch zu spielen kann dir etwas Nervosität nehmen.

Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass die „klassischen“ Fragen immer weniger gestellt werden und zunehmend authentische Gespräche stattfinden, im Rahmen derer beide Seiten wirklich herausfinden möchten, ob es passt. Fragen wie z. B. „Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“ oder gar Fangfragen spielen immer weniger eine Rolle. Wenn du ähnliche oder auch andere Erfahrungen gemacht hast oder machst, freue ich mich über deinen Kommentar!

Die fünf Phasen eines Bewerbungsgesprächs

Kurz umrissen findest du hier die fünf Phasen eines Bewerbungsgesprächs. Einen ausführlichen Artikel dazu findest du übrigens hier.

Phase 1: Smalltalk

Du und deine Gesprächspartner, meist aus dem Fach- und dem Personalbereich, begrüßt euch mit Namen, du wirst evtl. gefragt, ob du eine gute Anfahrt hattest. Bei einem online stattfinden Bewerbungsgespräch gibt es ein paar nette Worte zu Beginn und den Check, ob die Technik auf allen Seiten gut funktioniert.

Phase 2: Kennenlernen

Deine Gesprächspartner auf Organisationsseite stellen sich vor. Manchmal folgt direkt im Anschluss die Vorstellung der Organisation. Manchmal folgt diese auch auf deine Vorstellung und Selbstpräsentation als Bewerber|in (siehe nachfolgender Punkt).

Phase 3: Selbstpräsentation

Du wirst gebeten, dich und deinen Werdegang vorzustellen. Dies kann auch im Rahmen der Kennenlernrunde passieren. Diese Phase kannst du sehr gut vorbereiten, in dem du dir z. B. drei Versionen deines Werdegangs vorbereitest: eine ca. 10 Minuten dauernde ausführliche, eine auf ca. 5 Minuten angelegte und eine ganz kurze auf ca. 2 Minuten angelegte, die du bei Bedarf als Kurzfassung geben kannst.

Gehe zu Beginn und immer wieder konkret auf die Stelle ein, auf die du dich bewirbst und was du dafür mitbringst. Auch das kannst du in Ruhe im Vorfeld mit jemandem aus deinem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis üben.

Phase 4: Rückfragen

Deine Gesprächspartner stellen Fragen zu deinem Werdegang, deinem fachlichen Hintergrund, du selbst darfst natürlich ebenso Fragen stellen zur ausgeschriebenen Position, zum Team, deinen Wünschen usw.

Phase 5: Abschluss

Deine Gesprächspartner und du bedankt euch für das Gespräch und es folgt eine kurze Erläuterung der nächsten Schritte des Bewerbungsprozesses.

Was tun gegen Ängste und Nervosität?

Da hochsensible Menschen sehr feine Antennen haben, können sie mit ihrem Einfühlungsvermögen wunderbar im Gespräch punkten. Demgegenüber steht allerdings, dass unser feinsinniges System im Vorfeld und während der Situation ganz schön gestresst reagieren kann.

Du bist in jedem Fall okay!

Zugegebenermaßen hört sich „okay“ nicht so gut an wie „großartig“ – aber worum es geht ist: Du bist absolut in Ordnung, egal wie dieses Gespräch ausgeht! Ob es super läuft und du danach denkst „Das war ja gar nicht so schlimm!“ oder ob etwas daneben geht, ob du eine Zusage oder Absage oder Einladung zur nächsten Runde erhältst …

Was auch immer passiert, du hast dein Bestes gegeben. Du hast dich der Situation gestellt – das ist bereits ein Erfolg!

Steh‘ hinter dir, egal wie es ausgeht. Und wenn du das gerade nicht so gut kannst: Stell‘ dir einen Menschen vor, der oder die es gut mit dir meint. Und wenn auch das schwierig sein sollte, dann fühl‘ dich virtuell von mir gestärkt. Stell‘ dich nicht infrage, falls es nicht auf Anhieb klappen sollte. Es gibt Dinge, die du nicht beeinflussen kannst, manchmal ist die Stelle bereits intern vergeben oder andere Faktoren, die du nicht beeinflussen kannst, spielen mit. Es braucht meist einige Versuche. Dass auf Anhieb nach dem ersten Gespräch die passende Stelle herausspringt wünsche ich dir, ist allerdings nicht die Regel.

Entspannter „Check-In“

Bei einem Bewerbungsgespräch vor Ort: Reise früher an, sodass du noch mindestens 15, besser 30 Minuten hast, um anzukommen, vielleicht noch einen kleinen Spaziergang zu machen und nach einer Fahrt im Auto oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln durch zu atmen.

Im Falle eines online-Bewerbungsgesprächs prüfe deine Technik vorab:

  • Funktioniert deine Webcam (die im Notebook eingebaute oder eine externe)?
  • Möchtest du ein Headset verwenden oder sprichst du lieber frei? Genügt das in deinem Notebook eingebaute Mikrofon oder benötigst du ein externes? Klappt der Umgang damit?

In den meisten Tools für online-Besprechungen kannst du einen Testanruf machen oder ein Testmeeting starten, sodass du bereits im Vorfeld deine Technik prüfen kannst.

Entspannungstechniken – entscheidend ist, was dir gut tut

Es gibt verschiedene Techniken und Tools, um dich zu entstressen. Entscheidend ist herauszufinden, was dir gut tut. Ich selbst habe Einiges ausprobiert und bin weiterhin neugierig: Yoga, geführte Meditationen, Pilates, Qigong, Tai-Chi, progressive Muskelentspannung, Atemübungen, Waldspaziergänge, ein mich forderndes körperliches Workout, Ausdauersport, Tanz …

Mir persönlich hilft meine Yoga-Praixs, die mich meist entspannt, aber auch etwas fordert, ohne dabei in Leistungsdruck auszuarten. Geführte Meditationen finde ich hilfreich, die es zahlreich im Internet zu finden gibt, tanzen und meine Lieblingsmusik auf dem Ohr.

Körperhaltung und Blickkontakt

Atme vor z. B. deiner Selbstpräsentation ein, halte die Luft kurz an und atme dann bewusst langsam aus, das nimmt ebenfalls Nervosität. Versuch‘ eine Körperhaltung zu finden, in der du aufrecht bist und dich wohl fühlst. Bereits diese aufrechte Haltung kann deinem eigenen System und deinem Gegenüber signalisieren, dass es aufmerksamer ist, sich wortwörtlich seiner selbst bewusster. Versuche Blickkontakt zu deinen Gesprächspartnern zu halten, während du sprichst.

Hochsensibel auf Jobsuche und Bewerbungsgespräch geschafft! Und nun?

Erstmal: GLÜCKWUNSCH, dass du es geschafft hast! Und diese Gratulation ist nicht davon abhängig, ob du nun den Job schlussendlich bekommst oder nicht. Du hast dich getraut, hast es bis in diese Runde geschafft und damit bereits einige Bewerber hinter dir gelassen, diese nicht gerade einfache Situation gemeistert. Das ist toll und verdient deine volle Wertschätzung.

Du kannst dich im Nachgang für das angenehme Gespräch bedanken und bei der Gelegenheit nochmals dein Interesse bekunden. Außer natürlich, du hast während des Gesprächs bemerkt, dass sich die Stelle nicht stimmig und passend für dich darstellt und anfühlt.

Hochsensibel auf Jobsuche: Wie geht es weiter?

Im finalen Teil 6 geht es darum, wie du Gefühl und Verstand einbeziehst und zwischen verschiedenen Optionen eine für dich stimmige Entscheidung für einen neuen Job treffen kannst.

Weiterführende Bücher und Links „Hochsensibel auf Jobsuche Teil 5“

Herzliche Grüße
Constanze