Hochsensibel und vielbegabt: Blüte in verschiedenen Farben
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Hochsensibel und vielbegabt: Neben deiner feinen und intensiven Wahrnehmung hast du zahlreiche Interessen und Talente: Mehrere Aus- und oder Weiterbildungen, ein neues Instrument lernen, noch eine Fremdsprache, beruflich nochmal etwas ganz Anderes – das kommt dir bekannt vor?

Doch Vielbegabte sind keine chronischen Abbrecher und nichts-zu-Ende-Bringer. Sie bringen die Dinge bis zu einem gewissen Punkt zu Ende, doch wenn sie durch eine Thematik aus ihrer Sicht „durch“ sind, lassen sie sie los und stürzen sich begeistert auf neue Themen und Projekte. Gehörst du auch zu den hochsensiblen und vielbegabten Scanner-Persönlichkeiten?

Was ist eine vielbegabte Scanner-Persönlichkeit?

Barbara Sher hat mit „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“ den Klassiker über vielbegabte Scanner-Persönlichkeiten geschrieben und den Begriff des „Scanners“ geprägt.

Eine vielbegabte Scanner-Persönlichkeit …

  • Ist wissensdurstig und möchte Neues lernen auch in Gebieten, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben
  • Kann sich sehr intensiv und begeistert mit einem Thema bis zu einem gewissen Punkt auseinandersetzen, es aber auch wieder loslassen, wenn sie|er es durchdrungen hat
  • Ist sehr begeisterungsfähig, hat viele Ideen
  • Ist nicht selten von Selbstzweifeln über die eigenen Begabungen und Fähigkeiten geplagt
  • Kann sich schnell langweilen, wenn er|sie etwas durchdrungen hat

Nicht wenige hochsensible Menschen sind zusätzlich zu ihrer ausgeprägten Wahrnehmungsfähigkeit vielbegabt. Anne Heintze, Expertin für Hochsensibiltät, Hochsensitivität, Hoch- und Vielbegabung sieht Hochsensibilität sogar als eine Form von Vielbegabung.

Doch wie nutzt du nun diese spannende, mitunter anstrengende, Kombination? Ich habe fünf Tipps für dich…

Tipp 1: Beschränke dich nicht in deiner Vielbegabung. Und: Achte deine (hochsensiblen) Grenzen.

Für hochsensible Vielbegabte ist dies ein schmaler Grat: Dich nicht beschneiden in deiner Vielbegabung, deinen Interessen nachgehen und dir nicht einreden lassen, mit dir stimme etwas nicht. Und dich gleichzeitig nicht überfordern und dich selbst nicht in eine Überstimulation bringen.

Wie geht das konkret? Nimm‘ dir Phasen für deine Regeneration. Nutze Entspannungstechniken. Oder powere dich so richtig aus. Komme in deinen Körper. Lasse vor Allem in deinem Geist alle deine Themen auch mal los. All deine Projekte und Ideen dürfen auch mal warten. Und wenn du dich wieder frisch fühlst, darf der Tatendrang wieder am Zug sein. Höre hier sehr gut auf dein Gespür, wann es zu viel wird, wann du eine Pause brauchst und wann du wieder etwas mehr aufs Gaspedal treten darfst.

Da ich selbst hochsensibel und vielbegabt bin, weiß ich leider zu gut, wovon ich schreibe. Ich habe oft neue Ideen und sobald ich beginne sie voller Tatendrang zu realisieren, bemerke ich, wie viel Zeit und Energie sie in Anspruch nehmen und wie ich das, was ich mir vorgenommen habe, nicht so schnell, nicht in der Qualität, die ich anstrebe (Hallo Perfektionismus!) und vor Allem nicht gleichzeitig umsetzen kann.

Tipp 2: Finde einen Leitstern für deine vielen Talente

Besonders, wenn du beruflich unzufrieden bist, kann dir dies eine Hilfe sein. Dein „Leitstern“, ein Dach über deine Talente oder auch ein Kompass für deine Vielseitigkeit kann eine Leitfrage, ein (Teil-)Satz, ein Motto, ein Schlagwort sein… „Menschen begleiten“ könnte z. B. ein Leitstern sein, den du in verschiedenen Berufen leben kannst: in Lehre, Training, Beratung, Coaching, im sozialen Bereich…

Gibt es vielleicht eine Frage, der du nachgehst? Was passiert, wenn du folgenden Satz versuchst, zu vervollständigen „Wie kann ich ….“? Z. B. „Wie kann ich helfen, die Erde zu einem gesünderen Ort zu machen?“ Auch unter diesem Dach finden Tätigkeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen ein Zuhause.

Dieser Leitstern muss sich natürlich nicht auf alle deine Interessen übertragen lassen. Aber er kann dir im beruflichen Kontext eine Hilfe sein.

Tipp 3: Halte deine Ideen fest

Halte deine Ideen fest in einem Journal, auf einem Plakat … bei mir ist es z. B. ein Flipchart an meiner Wand, auf das ich alles, was mir an Projektideen kommt, schreibe und male. Zusätzlich habe ich ein Journal, in dem ich meine Gedanken festhalte. Wenn es schnell gehen muss, schreibe ich in mein Notizbuch im Smartphone einen Text oder Gedankenanstoß.

Manchmal bin ich selbst überrascht, wie viele meiner Ideen sich nach und nach realisiert haben: Dieser Blog zum Beispiel stand schon ein Weilchen in meinem Journal, ich hatte ihn beinahe vergessen… ein Thema für einen Blog war noch nicht gefunden, bis ich in meine berufliche Krise geschlittert bin und mein Blog-Thema plötzlich wie ein Geschenk vor meiner Tür lag.

Mit einem Journal, einer Ideenwand, auch digital, hast du die Sicherheit, dass keine deiner tollen Ideen verloren gehen kann. Auch wenn die Umsetzung etwas später passiert, weniger der „große Knall“ wird, sondern eine Step-by-Step-auf-die-sensible-Art – du hast die Idee festgehalten.

Tipp 4: Entwickle einen konstruktiven inneren Dialog mit dir.

Wenn es dich als hochsensibler und vielbegabter Mensch mal wieder innerlich zerreißen sollte … weil du scheinbar keiner deiner Seiten gerecht werden kannst. Weil du scheinbar „nichts richtig kannst“ (im Gegenteil!). Weil du dich mal wieder überfordert hast, deinen Ansprüchen oder vermeintlich den Erwartungen anderer nicht gerecht geworden bist.

Ermutige dich, sprich‘ dir ermunternde Worte zu. Es klingt so simpel und wir vergessen es so oft: Nimm‘ dich an, wie du bist, genauso. Mit angefangenen Projekten, mit einer Phase der Orientierungslosigkeit, mit Erschöpfung nach einem durchgearbeiteten Wochenende, mit dem Gefühl, dass noch so viel Potenzial nach draußen drängt, das du noch nicht lebst. Mit all dieser vermeintlichen Unvollkommenheit.

Was … wenn du morgen aufwachen würdest und eine Stimme sagt dir, du bist genau so wie du bist vollkommen? Du warst es schon immer. Was nicht heißt, dass du nicht wachsen darfst. Doch nicht aus dem Gefühl heraus, dass du nicht okay seist, wie du bist.

Tipp 5: Gönn‘ dir Freude und folge ihr!

Hochsensibel und vielbegabt: … du bist einfach du! Lebe dich, deine feinen Antennen und deine Vielseitigkeit. Erlaube dir Lebensfreude und folge ihr. Das ist der beste Kompass, den wir im Leben haben können.

Genieße deine Talente mit all deinen Sinnen.

In diesem Sinne: Entfalte dich, in deiner sensiblen und farbenfrohen Einzigartigkeit!

Hochsensibel und vielbegabt: Welche Erfahrungen hast du gemacht? Mehr Herausforderung oder mehr Chance? Ich lese gerne von dir in den Kommentaren!

Viele Grüße
Constanze