Rosafarbene Blüte im Grünen
Foto: eigene Aufnahme

Du hast einen Misserfolg erlebt. Bist an einem Tiefpunkt. Hast hart für ein Ziel gekämpft, dein Bestes gegeben, und – bist grandios (oder weniger grandios) gescheitert. Hast ein „Nein“ bekommen. Das war’s. Ende. Eine Absage in dem Traumjob, nachdem du dich durch mehrere Bewerbungsrunden gekämpft hast. Dieser perfekt zu dir und dem nächsten Schritt in deinem Business passende Auftrag, der im letzten Moment geplatzt ist. Die vermasselte Präsentation zu deinem Herzensthema. Ich sage dir was: Misserfolge sind zum Überwinden da.

Ich weiß ziemlich genau wie es dir geht. Weil ich, als ich den ersten Entwurf für diesen Artikel schrieb, genau an so einem Tiefpunkt war.

Schneller als du Atem holen kannst ist dein innerer Kritiker zur Stelle. Und hat nicht gerade zimperliche Worte für dich. Warum konntest du deine Leistung nicht abrufen. Du hättest besser dies und besser das. Ich hätte mehr von dir erwartet. Erfolg sieht anders aus. So wird das nie was mit deinem Traumjob, Business, Leben. So wirst du es nie schaffen.

Okay. Soweit so gut. Und nun lass‘ uns deinem inneren Kritiker mal ein paar Worte sagen. Freundlich, aber klar und bestimmt.

Scheitern gehört zu jedem (!) Lernprozess

Als wir Kinder waren, haben wir die Dinge spielend gelernt. Fahrrad fahren, schwimmen, Schlitten fahren. Wir haben ausprobiert, mit Stützrädern, Schwimmflügeln, mit Mama und Papa an der Seite, wenn wir uns allein noch nicht getraut haben. Wie oft bist du wohl hingefallen, bevor du laufen konntest. Hättest du nach ein paar missglückten Versuchen auf dem Fahrrad gedacht, okay, ich lasse es für immer? Alle Dinge, die wir über einen gewissen Zeitraum geübt haben, haben wir gelernt. Manche schneller, manche langsamer. Du musst nicht in jeder Disziplin zur Weltspitze gehören. Wichtig ist: Wir haben weitergemacht, auch wenn es nicht auf Anhieb geklappt hat. Und waren irgendwann erfolgreich.

Mein erster Versuch, als kleine Constanze aufzustehen fand unter dem Esstisch meiner Eltern statt. Als Erinnerung trage ich eine Narbe an meiner Augenbraue. Mit Sicherheit habe ich nach diesem ersten Misserfolg nicht gedacht: Okay, aufrecht gehen scheint nichts für mich zu sein. Ich werde mich damit abfinden müssen, die Welt krabbelnd zu erkunden.

Als Erwachsene wirken die Herausforderungen größer. Einen Workshop halten, sich nicht durch die vielen Menschen und Eindrücke verunsichern lassen. Vor vielen Menschen zu einem Thema sprechen, das dir wichtig ist und die Angst vor Fehlern und Kritik aushalten. Sich aus der Deckung trauen und für das spannende Projekt als Leitung melden. Sich für diese tolle Stelle bewerben, obwohl du nur zwei Drittel der Anforderungen erfüllst. Über die eigenen Herzensthemen sprechen und sichtbar werden. Der Sprung in die nebenberufliche oder hauptberufliche Selbständigkeit.

Misserfolge überwinden – um wieder Erfolg in dein Leben zu ziehen

Niederlagen und Misserfolge gehören zu jedem Weg dazu, bei dem wir ein Risiko eingehen und für die Dinge gehen, die uns am Herzen liegen. Du darfst in einem Tief stecken, wir dürfen alle mal enttäuscht und niedergeschlagen sein. Aber wenn du dauerhaft in dieser Emotion der Niedergeschlagenheit und Frustration bleibst, ziehst du Negatives an. Geh‘ durch das Negative, aber tauch‘ dann wieder auf. Und werde wieder offen für dein nächstes Erfolgserlebnis. Also, let’s go.

Schritt 1: Durchfühle deine Gefühle mit Mitgefühl – und dann lass‘ sie los

Es gibt nichts zu beschönigen, wie fühlt man sich schon an so einem Tiefpunkt. Deprimiert. Niedergeschlagen. Traurig. Wütend. Enttäuscht. Gefühlt bricht eine Welt zusammen.

Das ganze Geheimnis an all diesen Gefühlen ist: Sie wollen durchfühlt werden. Um dann losgelassen zu werden. Wie ein Vogel, den du freilässt.

Trau‘ dich, die aufsteigende Trauer, Enttäuschung, Wut… zu durchfühlen. Weine Tränen, powere dich beim Sport aus, boxe in Kissen, such‘ dir einen Ort, an dem du mal einen Schrei loslassen kannst, schreib‘ deinen Frust nieder… unterdrücke nichts.

Gefühle machen uns oft Angst, weil sie unkontrollierbar wirken. Doch die vermeintlichen Monster verwandeln sich recht schnell in kuschelige Wesen, wenn sie aus ihrem Versteck kommen dürfen und einfach sein dürfen, wie sie sind. Und eine sanfte Umarmung von dir bekommen.

Lass‘ Mitgefühl gegenüber dir selbst zu. Stell‘ dir einen Freund oder eine Freundin vor, die einen Misserfolg hatte. Wie würdest du mit ihr oder ihm umgehen? Was sagen, welche tröstenden Worte finden? Den Arm auf die Schulter legen, eine Umarmung geben. Sei dir selbst ein mitfühlender Freund oder eine mitfühlende Freundin.

Die ersten Wogen sind geglättet? Du warst vielleicht an der frischen Luft, hast Dampf abgelassen, Tränen herausgeweint und wieder die Möglichkeit einen klaren Gedanken zu fassen?

Schritt 2: Liste deine Bedürfnisse auf

Warum sind wir so enttäuscht nach einer Niederlage? Unsere Bedürfnisse wurden verletzt. Es gibt etwas, was du dir erhofft, gewünscht, erträumt hast, das nicht eingetreten ist. Es gilt nun, diese Bedürfnisse und Wünsche zu identifizieren. Sich Manches einzugestehen, mag sich ein wenig unangenehm anfühlen. Aber ohne ein klein wenig Schmerz kommen wir nicht ans andere Ufer. Raus aus dem Tief des (vermeintlichen) Misserfolgs zurück in einen Zustand, in dem du wieder Erfolg in dein Leben ziehst. Und da wollen wir hin.

Nimm‘ ein Blatt Papier. Teile es auf in zwei Spalten und einen dritten Bereich am unteren Rand. Es sollte in ungefähr so aussehen:

Jetzt befüllen wir Step by Step jeden der drei Bereiche.

Schreib‘ in die erste Spalte „Was ich nur dort zu finden glaube…“ (alternativ einen anderen Satz, der zu deinem Thema passt, sinngemäß sollen dort alle deine Bedürfnisse Platz finden, die du glaubst nur erfüllt zu wissen, wenn diese eine Sache geklappt hätte).

Die Liste der Bedürfnisse kann z. B. so aussehen: (hier am Beispiel eines tollen Jobs, den ich nach mehreren Bewerbungsrunden letztlich nicht bekommen habe):

Schritt 3: Übernimm‘ Verantwortung für deine Bedürfnisse

Es mag für den Moment so aussehen (und sich so anfühlen), als ob deine Bedürfnisse nur durch diese eine Sache, auf diese eine Weise oder mit dieser einen Person erfüllt werden können. Ich versichere dir, so ist es nicht. Wir sind nicht abhängig von diesem einen Ereignis, das nicht war wie erhofft. Es wird andere Chancen und Wege geben, glücklich zu werden.

Atme nochmal tief durch. Und jetzt widmen wir uns der zweiten Spalte auf deinem Blatt Papier.

Schreib‘ als Überschrift in die Spalte „… wo ich das auch finden könnte.“ Jetzt werden wir kreativ. Am besten bist du jetzt in einer offenen Stimmung. Offen für Konstruktives. Hör‘ Musik die dich in Stimmung bringt, reiß‘ nochmal das Fenster auf und lass‘ frische Luft rein, steh‘ auf, wandere in deiner Wohnung herum, wenn dir das hilft, bewege dich, lass‘ uns Ideen sammeln.

Es gibt niemals nur einen Weg. Niemals. Vor Allem für die Dinge, die dir am Herzen liegen.

Die ergänzte Liste mit zweiter Spalte könnte z. B. so aussehen (hier wieder am Beispiel des Jobs, den ich so unbedingt wollte und nicht ergattert habe):

Schritt 4: Wofür bist du dankbar? Schreib‘ es auf!

Schau‘ dir nochmal das Blatt Papier an. Deine Bedürfnisse und Wünsche können auch auf andere Weise erfüllt werden. Alles wird gut. In Ruhe. Das muss nicht heute passieren. Es soll dir helfen, die Sicherheit in dir wieder zu erlangen, dass es andere Wege zu deinem Ziel gibt. Du bist ein starker Mensch, dem andere Möglichkeiten offenstehen.

Jetzt kommen wir zum letzten Schritt. Dankbarkeit. Auch wenn dich die Situation vor eine Herausforderung stellt. Auch wenn du wütend warst, vielleicht auch immer mal wieder bist. Auch wenn es so nicht geplant war. Das Leben ist ein Lehrer. In jedem Moment. Dein bester. Wenn du lernst, dankbarer zu sein für die Lektionen, wirst du stärker auf deinem Weg. Und du erkennst, dass es das Leben nicht grundsätzlich böse mit dir meint. Auch wenn es manchmal sehr hart sein kann.

Schreib‘ in den dritten Bereich im unteren Drittel deines Blatts Papier „Ich bin dankbar für diese Erfahrung, denn…“. Und sammle deine Gedanken. Es kann mehr heraussprudeln, als du vielleicht für möglich hältst. Bei mir sah das ungefähr so aus:

Geschafft, Kämpfer|in (würdige dich)

Und nun, sei dankbar… für dich! Bedanke dich bei dir selbst für diesen Prozess, durch den du gegangen bist. Jedes durchlebte Tief im Leben verdient Würdigung. Und der/die Kämpfer|in verdient eine Verneigung, hindurch gegangen zu sein.

Welche Erfahrungen hast du mit Misserfolgen und Tiefs gemacht? Wie hast du sie überwunden? Ich bin gespannt, von deinen Erfahrungen zu lesen und zu lernen.

Liebe Grüße
Constanze