Persoenlichkeitsentwicklung-Fallen-Mann-auf-Berg
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Persönlichkeitsentwicklung und Fallen auf diesem Weg – kann das sein? Ist es nicht durchweg positiv, sich mit der eigenen Entwicklung auseinander zu setzen und sie aktiv vorwärts zu bringen?

Insbesondere feinfühlige Menschen reflektieren sich selbst, ihre Beziehungen und Ereignisse oftmals gründlich. Sie beschäftigen sich mit ihren Themen, psychologischen und manchmal auch spirituellen Aspekten ihrer Entwicklung, möchten sich selbst und andere besser verstehen.

Aktiv Persönlichkeitsentwicklung zu betreiben, viel über sich und andere lernen zu wollen, ist grundsätzlich etwas sehr Schönes und Erstrebenswertes. Manchmal allerdings verlieren wir das Maß und vergessen, dass es auch Momente des Loslassens, einfach „Lebens“ geben darf. Welche Fallen kann es auf dem Weg zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit hin zu einem besseren Leben geben?

Falle 1: Erst noch die „Blockade“ bearbeiten, dann…

Bevor das große Glück im Leben kommt… muss erst noch mein „Money Mindset“ passen, dazu sollte ich einen Kurs belegen. Den passenden Liebespartner kann ich erst in mein Leben ziehen, nachdem ich all meine Wunden geheilt habe. Am besten belege ich dazu ein Seminar oder begebe mich ins Coaching. Diese Zeilen schreibe ich bewusst etwas provokativ.

Die vermeintlichen Baustellen und Blockaden werden zu einer Art Tor, das es erst noch zu passieren gilt, bevor das Glück dahinter empfangen werden kann. Diese Haltung kann selbst zu einer Blockade werden, so dass wir noch keinen Erfolg, noch keine erfüllende Partnerschaft, noch nicht die erfüllende berufliche Aufgabe finden können – denn, es gibt erst noch diese und jene Baustelle zu bearbeiten.

Natürlich ist es wichtig, die eigenen Themen anzugehen, die uns daran hindern, glücklich zu leben. Doch oft unterschätzen wir, wie viel wir im Prozess lernen. Ein vollumfänglich bearbeitetes Thema ist keine Voraussetzung, damit wir uns beruflich weiterentwickeln können, den nächsten Schritt Richtung Erfolg gehen oder mit einem Herzensmenschen in Beziehung gehen können. Eine vermeintliche Blockade sollte uns nicht davon abhalten, bereits ins Tun zu kommen.

Falle 2: Das bereits Erreichte übersehen

Manchmal verlieren wir den Blick für die vielen großen und kleinen Erfolge, die wir auf unserem Weg bereits erreicht haben. Die zahlreichen erreichten Zwischenziele für ein erfülltes Beziehungsleben, finanzielle Fülle, einen entspannten Umgang mit der eigenen Feinfühligkeit, eine berufliche Aufgabe, die uns Freude bereitet…

Wie würde eine Trainerin einen talentierten Sportler zu Höchstleistungen anspornen? Vermutlich mit einer Mischung aus einem Trainingsprogramm, das den Sportler weiterbringt, da sie sein Potenzial erkennt, aber auch aus Regenerationsphasen, der Würdigung des bisher Erreichten und natürlich… Feiern der bisherigen Meilensteine und Erfolge!

Wenn der Fokus zu sehr auf dem liegt, was noch nicht ist, kann das demotivierend und frustrierend sein. Die Freude am Lernen kann auf der Strecke bleiben. Deshalb ist es wichtig, die eigenen Erfolge wahrzunehmen, sie vielleicht in einem Journal fest zu halten oder auf einem Blatt Papier oder Plakat gut sichtbar aufzuhängen, mit anderen darüber zu sprechen und sich selbst zu belohnen.

Falle 3: Stress dadurch, niemals „fertig“ zu sein

Du hast deine Beziehungsfähigkeit verbessert und es fällt dir leichter, mit neuen Menschen ins Gespräch zu kommen? „Ja schon, aber… die mich tief erfüllende Liebesbeziehung ist noch nicht in meinem Leben.“ Du hast ein besseres Gehalt oder Honorar verhandelt und bist bei deiner Führungskraft oder deinem Geschäftspartner für deinen Wert eingestanden? „Ja schon, aber … von einem Leben in finanzieller Fülle bin ich noch weit entfernt.“

Das Leben kann als eine Aneinanderreihung von Problemen oder positiver ausgedrückt, eine Aneinanderreihung von Lernaufgaben gesehen werden. Und ich bin sogar der Meinung, dass wir von einer Lernaufgabe in die nächste Lernaufgabe und die nächste usw. geführt werden. Dass die Lernaufgaben zunehmend anspruchsvoller werden und wir uns Schicht für Schicht immer mehr „ent“-wickeln und zu dem Menschen werden, der wir wirklich sind (wenn wir dies anstreben).

Entscheidend ist unsere Haltung: Kann ich die nächste Lernaufgabe, die nächstgrößere Herausforderung, schon am Horizont auftauchen sehen und ihr gelassen entgegen blicken? Kann ich mich einfach darauf freuen, ohne mich zu sehr unter Druck zu setzen, sie so schnell und so perfekt wie möglich zu lösen?

Die nächste Aufgabe zu erkennen und auch angehen zu wollen ist meist weniger das Problem, sondern sich selbst in Stress zu versetzen und zur nächsten Lektion zu hasten, denn wir werden niemals „fertig“ sein in diesem Leben. Das ist das spannende, doch mitunter auch anstrengende in diesem Spiel.

Falle 4: Zu viel Theorie – zu wenig erfahren und leben

Oftmals stehen wir im Leben vor einem Problem und beginnen dann, nach Lösungen zu suchen. Wir lesen Ratgeberliteratur, gehen vielleicht ins Coaching, absolvieren hier und dort einen Online-Kurs, nehmen an Webinaren und Seminaren teil. Manchmal sind wir gar krampfhaft auf der Suche nach einer Lösung.

Neben all der Beschäftigung mit Wissen aus Büchern kann die Umsetzung in die Praxis zu kurz kommen. Oder wir schaffen es nicht mehr, einfach unbeschwert in ein Gespräch zu gehen, uns in eine Erfahrung zu begeben, ohne parallel das „Analyseprogramm“ laufen zu haben, was hier gerade in der Kommunikation mit diesem Menschen passiert oder vielleicht sogar anders sein müsste.

Es ist positiv, präsent zu sein in Situationen und bewusst wahrzunehmen, was passiert und bei Bedarf ins Geschehen einzugreifen. Allerdings darf der Kopf auch mal pausieren, man darf sich auch entspannt und vertrauensvoll in neue Erfahrungen und einfach mal ins Leben fallen lassen.

Falle 5: Sich mit Menschen vergleichen, die „es“ bereits geschafft haben

Menschen, die die Lektion geschafft haben, an der du gerade hängst, sind natürlich inspirierend. Wenn der Blick auf Coaches, Menschen, die erfolgreich(er) sind, vermeintlich eine Traumbeziehung leben… allerdings zwanghaft wird oder mit Neid behaftet ist, kann dich das mehr runterziehen als zu neuen Höhenflügen in deiner Entwicklung motivieren.

Du bist dann zu sehr im Außen unterwegs, anstatt dich und deinen unvergleichlichen Weg zu sehen mit all seinen Höhen und Tiefen. Oft steckt hinter einer erfolgreichen beruflichen Situation, einem Leben in finanzieller Freiheit, einer erfüllten Partnerschaft… ein nicht unerheblicher Entwicklungsweg des anderen Menschen, mit dem du dich gerade vergleichst.

Niemand geht genau deinen Weg und es ist vollkommen okay, ihn in deinem Tempo und mit den Herausforderungen, die dir begegnen, zu gehen. Lass‘ dich von Menschen, die weiter sind, inspirieren, dass möglich ist, was du dir wünschst, aber vergleiche dich nicht mit ihnen.

Die Freude an der eigenen Entwicklung wiederfinden

Wie so oft ist alles eine Frage des richtigen Maßes. Es kann Freude bereiten, aus Büchern zu lernen, auf Seminaren mit Menschen mit ähnlichen Lernthemen in Kontakt zu kommen, Kurse zu absolvieren und sich coachen zu lassen.

Gleichzeitig sollte eine Balance da sein zwischen dem Lernen über die Aneignung von Wissen – und Erfahrungen, leben, einfach mal genießen, loslassen. Es geht um deinen unvergleichlichen Weg, nicht den eines anderen. Das sich selbst-Ent-wickeln soll und darf Spaß machen!

Meine persönliche Sicht

Inspiriert zu diesem Beitrag haben mich Gespräche mit anderen feinfühligen Menschen und, wie sollte es anders sein, meine Selbstreflexion. Ich bin selbst in der letzten Zeit von Online-Kurs zu Online-Kurs gehastet, habe Ratgeber gelesen und dem Lernen über Wissen viel Bedeutung beigemessen. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, noch diese und jene Baustelle lösen zu wollen. Es kam Frust auf, da manche Themen nicht „mal eben schnell gelöst“ werden, auch wenn ich sie intellektuell bereits seit Längerem durchdrungen habe.

Daher ist dieser Beitrag auch an mich eine sanfte Erinnerung, die eigenen Fortschritte zu würdigen und neben all den vermeintlichen Blockaden und zu lösenden Themen die Erfahrung und die Freude am Leben nicht zu kurz kommen zu lassen.

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Herzliche Grüße
Constanze