Katamaran fährt übers Meer in den Sonnenuntergang
Foto: eigene Aufnahme

Das vergangene Jahr war beruflich hart für mich. Ich knallte so richtig auf den Boden. Gleich zwei Jobs nacheinander kündigte ich in der Probezeit, ohne etwas Neues in Aussicht zu haben. Weil ich schlichtweg nicht mehr konnte. Ich wusste noch nicht einmal, was genau ich nicht mehr konnte. Ich spürte nur, dass ich die Reißlinie ziehen musste, da ich sonst ernsthaft krank werden würde. Ich ging also mit einer Eigenkündigung in den freien Fall… und ein zweites Mal vor Kurzem erneut, trotz der Situation rund um Corona.

Durch ein Coaching stieß ich auf das Wort „Hochsensibilität“. Besser gesagt wurde ich von meiner Coach darauf gestoßen. Ich entdeckte und entdecke diese Facette an mir, die ich über viele Jahre hinweg vollkommen übersehen habe. Als hätte sie nur darauf gewartet, endlich (namentlich) bemerkt zu werden. Aber lass‘ uns ein paar Schritte zurückgehen in die Situation vor dieser Entdeckung.

Von ruhigem Fahrwasser auf die stürmische See

Bis vor einem Jahr noch war ich nach mehreren Wechseln beruflich in ruhigeren Fahrwassern angekommen. Ich hatte endlich eine Stelle gefunden, in der ich nette Kolleginnen und Kollegen hatte, eine angenehme Aufgabe in der technischen Redaktion und eine gute Work-Life-Balance. Eigentlich schien alles in Ordnung.

Doch in mir spürte ich, dass ich zu oft in meiner Komfortzone unterwegs war. Dass Potenziale da sind, die gelebt und entfaltet werden wollen. Ich bildete mich viel neben dem Beruf weiter, doch das reichte mir auf Dauer nicht. Es blieb dieses Gefühl, dass ich etwas Neues wagen sollte. Etwas in mir rief nach Entwicklung.

Ich stieg daraufhin quer in ein Softwareunternehmen ein. In einen Bereich, der mich in jeder Hinsicht herausforderte: die Kundenbetreuung. Intellektuell packte ich die Aufgabe und freute mich über die neuen fachlichen Impulse. Die andere Seite des Jobs schlauchte mich…

Wake-Up Call 1

Der ständige Kundenkontakt und die Lösungsfindung im Hochdruckmodus mit weiteren, die Arbeit unterbrechenden Telefonanrufen machten mich fertig. Ich spürte bereits über das Headset die gesamte Gefühlswelt meines Gegenübers. Ich konnte sagen, was der-|diejenige bisher für einen Tag gehabt hatte. Ob er|sie den eigenen Job gerne und mit Freude tat oder eine Pflicht erfüllte. In welcher Unternehmenskultur er oder sie tätig war und ob er|sie damit zufrieden war.

Die Wochenenden verbrachte ich damit, mich von all den Einflüssen zu erholen. Mir war zu dem Zeitpunkt noch nicht bewusst, dass ich hochsensibel bin. Die Arbeitswoche erschöpfte mich. Am Wochenende schlief ich viel, ging in die Natur und machte Yoga. Meist fand ich nicht einmal die Energie, meine Freunde zu sehen. Am Montag waren meine Akkus noch nicht aufgeladen, aber neue Reize überschwappten mich in hohen Wellen.

Monate vergingen und ich merkte, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich weiß noch, dass ich nach mehreren erfolglosen Gesprächen mit den Führungskräften über einen Aufgabenwechsel wie ferngesteuert meine Kündigung einreichte. Ich wusste noch nicht, wie es weiterging. Ich sagte allen, die etwas hören wollten, zwar etwas. Allerdings war mir nicht klar, was eigentlich die Antwort war.

Wake-Up Call 2: Wenn du die Zeichen nicht siehst, schickt dir das Leben eine (härtere) Lektion

Nach drei Monaten bekam ich eine neue Stelle in einem anderen Bereich: Diesmal in der IT eines großen Konzerns als Coach für Teams.

Die Aufgabe faszinierte mich, da ich seit jeher eine Leidenschaft für Persönlichkeitsentwicklung habe. Die Aussicht darauf, Menschen in ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen, bereitete mir große Freude.

Doch es sollte anders laufen: Nachdem ich die Zeichen noch nicht ganz verstanden hatte, sollte mich diese Situation so sehr an meine Grenzen bringen, dass ich endlich hinschauen musste.

Meine idealistische Vorstellung von dem Job entpuppte sich recht schnell als Illusion. Ich kam in Kontakt mit Politik, Machtspielen, spürte ungefiltert die vielen negativen Emotionen, die vorherrschten. Die „Hidden Agendas“, die kleinen und großen Kämpfe. Angst. Vieles widersprach meinen Werten, meinem Gerechtigkeitssinn, meiner Vorstellung von einer konstruktiven Kommunikation. In einem Meeting machte sich mein Gespür für die destruktive Kommunikation sogar körperlich bemerkbar: Ich musste unter einem Vorwand den Raum verlassen.

Ich kämpfte mich durch den Tag. Durch Überstunden. Durch ein Arbeiten unter Druck, Kontrolle, mit wenig Raum für Persönliches. Das war nicht mein Umfeld. Ich begann mich zu schämen, erneut eine falsche Jobentscheidung getroffen zu haben. Und überlegte, ob ich allen Ernstes ein zweites Mal in einer Probezeit kündigen könne. Ich spürte, wie ich allmählich meine Kraft verlor. Die Situation begann mich schon nach wenigen Wochen gesundheitlich anzugreifen.

Coaching: Sensibel ja – aber hochsensibel?

Zum wiederholten Male befand ich mich also in einer beruflichen Situation, in der ich ziemlich unglücklich war. Eine Freundin empfahl mir, eine Coach aufzusuchen. Was ich tat.

Dass ich empathisch bin und andere Menschen gut „lesen“ kann, wusste ich schon lange. Dass Energien und Gefühle schnell auf mich überschwappen. Dass ich nach einem Gang durch eine volle Einkaufsstraße Erholung von den Eindrücken brauche. Dass bei mir sprichwörtlich der Speicher vollläuft, wenn Menschen reden, ich ihr Äußeres wahrnehme, Gerüche, wie sie sich fühlen, all die Emotionen, die sie manchmal selbst nicht bemerken oder zu verbergen versuchen.

In der Coaching-Stunde, in der das Wort „Hochsensibilität“ fiel, empfahl mir meine Coach das Buch „Die Berufung für Hochsensible: Die Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch“ von Luca Rohleder. Ein Volltreffer. Es traf vollkommen ins Schwarze.

Um meine Gesundheit zu schützen kündigte ich meine Stelle. Trotz der Angst, wie es weitergehen soll. Trotz Corona. Hätte ich es nicht getan, wäre ich über einen längeren Zeitraum gesundheitlich komplett ausgefallen, das weiß ich. Ich verstehe inzwischen, dass ich nach den passenden Bedingungen für mich suchen muss. Ich kann mich schnell in neue Themen einarbeiten, bilde mich ständig weiter und bin nicht auf den Kopf gefallen. Für mich muss das Umfeld passen, damit ich aufblühen kann. Damit ich nicht eingehe in einem Lebensraum, der nicht der meine ist.

Hochsensibel – wie geht es weiter?

Nun tauche ich tiefer und tiefer ein ins Thema „Hochsensibilität“ und starte diesen Blog. Weil es uns braucht. Weil in uns Potenziale vorhanden sind, die gelebt werden wollen und sollen. Weil es uns in Organisationen, als Selbständige, persönlich und mit einer Connection zum Spirituellen braucht. Jeder dort, wo er sich zugehörig fühlt. In seinem|ihrem Potenzial stehend.

Was die Anstellung angeht, bin ich weiterhin auf der Suche. Aber achtsam. Meine Bedürfnisse als Hochsensible im Blick behaltend.

Hier wirst du nun regelmäßig Texte von mir finden, damit wir wachsen und erblühen können. Nicht mit dem einen großen Knall. Step by Step. Auf unsere Art. Eben: Sensibel Potenzial entfalten.

Liebe Grüße
Constanze